Wir sind ja hier so ein „Fürsorgenetzwerk“. Wir Aktiven (Takes) haben darin zwei Treffen im Monat – den „Jour Fux“, auf dem wir alles Organisatorische besprechen (Delegiertenprinzip) und das „Fürsorgetreffen“, bei dem sich alle Takes eines Büschel (das ist die Bezeichnung für unsere Kleingruppen – derzeit ist es noch eine) einmal im Monat zum Austausch treffen. Wir sehen uns dort online für etwa 1,5h und sprechen darüber, wie es uns geht mit diesem Leben als Take, wie wir auch straucheln mit dem tauschlogikarmen Leben, welche Ängste aufkommen, welche schönen Begegnungen wir dadurch haben, wo wir Fülle und Darkbarkeit erleben, in vielfältige Beziehungen der Fürsorge mit Menschen und mehr-als-menschlichen Wesen eingebunden zu sein. Am Ende des Treffens schauen wir gemeinsam ob jemand von uns diesen Monat materielle Fürsorge benötigt und versuchen zu organisieren, dass dieser Bedarf gedeckt wird.

In den ersten Jahren von Matsutake, hatten diese Treffen eine hohe Verbindlichkeit – eigentlich waren immer alle da. In den letzten Monaten ist die Teilnahme an den Treffen eher spärlich. Ich frage mich woran es liegt. Versorgt uns Matsutake nicht gut genug materiell und die Bedeutung von Matsutake rückt in unserer inneren Prioritätenliste weiter nach hinten? Vielleicht auch gar nicht selbstgewählt, sondern eher aus der Not? Oder/Und ist es einfach schwieriger in einem anwachsenden Büschel einen Termin zu finden, der wirklich für alle gut passt? Nimmt bei einer größer werdenden Gruppe bei mir selbst die Verantwortung für’s Ganze ab, weil ich denke, dass es nicht mehr so auf mich ankommt? Oder sind es (auch) die sozialen Prozesse? Haben wir die immer wieder notwendige Erneuerung der Beziehungen vielleicht ein wenig vernachlässigt, beim Abarbeiten unserer Matsutake-To-do-Listen? Und spüren die Bezogenheit ein bisschen weniger? Es gibt auch Hinweise, das Einzelne von uns mit ihrem Wirken für eine so-gut-wie-mögliche-Welt und anderen persönlichen Prozessen über ihre Grenzen gegangen oder katapultiert worden sind. Sich für das, was ihnen so am Herzen liegt, dort hinübergeliebt haben. Dass sie zu erschöpft sind, um auch noch zum Fürsorgetreffen zu kommen.

Hoppla. Zu erschöpft, um Fürsorge entgegenzunehmen? Hm.

Da berührt mich was. Empfinden wir unser Fürsorgetreffen vielleicht nicht als fürsorglich genug, um es als wohltuend zu erleben, auch in Zeiten von Überforderung, Erschöpfung und Krise? Wo denn, wenn nicht in diesen Vertrauensräumen, können wir dem transparent und gemeinsam begegnen? (ein gemeinsam reicht, oder?)

Beim letzten Fürsorgetreffen (kleine Besetzung :-)) haben wir fühldenkend erforscht, was wir brauchen, damit wir unsere Fürsorgetreffen noch mehr als solche erleben. Es gab Punkte, wie: keine Aufgabe übernehmen müssen (Moderation oder Protokoll), wirklich gesehen werden mit dem, wie es mir geht. Resonanz erleben, auf das, was ich teile, statt stilles Bezeugen von langen Check-Ins. Im Mai werden wir beginnen, das auszuprobieren. Und es wird sich weiterentwickeln – for sure. Für mich ist es ein immer tieferes Kennenlernen, dieser Matsutake-Fürsorgetreffenbeziehung zwischen uns allen.

Herzlich, Sigi