Im Dezember 2024 haben sich ein paar von uns Takes zu einem Online-Call getroffen, um miteinander über unsere Fragen, Irritationen und Unsicherheiten rund um all die Themen, die wir bei Matsutake bewegen, in Austausch zu kommen. Dies ist ein loses, subjektives Gedankenprotokoll von mir, Janne, eine Melange aus Stichpunkten und Erinnerungen, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – und die mit den anderen anwesenden Takis abgestimmt bzw. von ihnen in ihrer abschließenden Form dann „freigegeben“ wurde 🙂

Beim gemeinsamen Ankommen werden folgende Sätze ausgesprochen:
„Ich spüre Schmerz, dass ich mich anstrengen muss, um in diesen gesellschaftlichen Strukturen meine Werte und Überzeugungen zu leben – und dass es mir oft nicht gelingt.“
„Wie finde ich meinen eigenen Maßstab und bringe das zusammen, Wandel zu tun und Lohnarbeit machen zu müssen?“
„Wie gestalte ich meinen Alltag so, dass es mir nicht zu viel wird? Ich denke so oft: Bitte weniger! Weniger! Noch weniger!“ Aber die Strukturen, in denen wir leben, ist nicht auf „weniger“, sondern auf „mehr“ ausgelegt. Und meine innere Managerin, die Macherin, der Anteil, der davon überzeugt ist, dass ich immer beschäftigt und produktiv sein muss, ist tief in meine Zellen hineinsozialisiert. So muss ich mich immer wieder sehr anstrengen dafür, Tempo rauszunehmen, innezuhalten und nicht unbewusst wieder ins Hamsterrad zu stolpern. Und es gelingt mir oft auch nicht.“

Und was beschäftigt uns gerade rund um Matsutake? Wir fassen für ein gemeinsames Verständnis noch mal zusammen: Bei Matsutake geht es nicht um ein bedingungsloses Grundeinkommen. Es geht um – auch finanzielle – Fürsorge von Menschen, die sich im gesellschaftlichen Wandel engagieren (auch wenn keine Tätigkeiten bezahlt werden, sondern Geld möglichst bedürfnisorientiert verteilt wird).

Wir tasten uns weiter rein über die Frage, was es denn für uns eigentlich dann bedeutet, sich für den Wandel zu engagieren. Was zählt dazu? Was sind Wandel-Tätigkeiten? Ist das ehrliche Eingeständnis und das Spüren, dass wir eigentlich überfordert sind und nicht wissen, wie Wandel geht, Wandel? Ist das Eingeständnis, dass wir uns von unseren Kapazitäten her eigentlich viel weniger für gesellschaftliche Veränderung engagieren können, als wir gerne würden, Wandel? Ist das Anerkennen, dass Proteste und Demonstrationen uns emotional gewaltvoll erscheinen und wir deswegen da nicht hingehen können, auch wenn wir uns manchmal dafür schämen, Wandel? Ist „innere Arbeit“ und das Versorgen der eigenen Wunden und Traumata Wandel (auch wenn dann nicht mehr viel Energie für anderes übrig bleibt)? Ist Wandel das Feuer, die Haltung und die Überzeugung, mit der ich mich generell in der Welt bewege – oder nur dann, wenn ich bestimmte Projekte, Tätigkeiten und Initiativen daraus resultieren? Und wann tue ich „genug“ für den Wandel und die Veränderungen, die ich mir wünsche? Eine Take sagt: „Da sprechen ständig zwei Stimmen in mir: ‚Das ist wichtig!‘ vs ‚Das ist lächerlich!'“

Wir merken: Eine klare Unterscheidung zwischen Wandel-Tätigkeiten und Nicht-Wandeltätigkeiten ist für uns nicht möglich, vielleicht auch nicht nötig und sehr individuell: „Was heißt es für mich, im Wandel tätig zu sein, mich als wandel-wirksam zu erleben?“ Außerdem kommen wir von dieser Frage dann zu tieferen Aspekten: Wir merken, dass wir also auch bei Matsutake in einer (immerhin deutlich weniger äquivalenten) Tauschlogik, in einer Reziprozität von „Geben“ und „Nehmen“ unterwegs sind, auch wenn wir uns eigentlich andere Wege wünschen – und diese auch umzusetzen versuchen. Und trotz des Wunsches nach einer generell bedarfsorientierten, bedingungslosen Verteilung des Geldes fällt einer Take noch auf: „Ich schätze auch die Möglichkeit, dass einzelne Menschen in bestimmten Projekten individuellere Schenkgelder bekommen können.“

Vielleicht wird hier an dieser Stelle spürbar, dass wir untrennbar mit den Strukturen verwoben sind, in denen wir leben und in die wir hineingewachsen sind. Und dass uns die Struktur eines Vereins, wie wir einer sind, eben bestimmte Möglichkeiten bietet – und andere nicht. Wir können sie nicht einfach so verlassen. Und doch lohnt es sich, zu hinterfragen und – wie mit Matsutake – ganz praktisch Alternativen auszuprobieren, in etwas Neues hinein, das unseren inneren Überzeugungen immer näher kommt.