von Robert
Seit einiger Zeit verschenke ich fünf bis zehn Stunden wöchentlich an teilsam – Solidarischer Samenbau. teilsam entsteht gerade und wird ein Netzwerk für Saatgutproduzierende und -abnehmende Betriebe, eine „Saatgut-Solawi“, oder aus einer anderen Sichtweise ein Handelsunternehmen für Saatgut nach solidarischen Grundprinzipien. Warum verschenke ich zusammen mit anderen Menschen meine Zeit für den Aufbau dieser Struktur? Weil ich in klassischer Gründer:innenmentalität auf ein Einkommen in der Zukunft hoffe?
Ja, ich hoffe tatsächlich, dass teilsam bald einen kleinen Teil zum Lebensunterhalt der Zusammenhänge beitragen kann, mit denen ich über Geld verbunden bin. Es ist aber völlig unklar, ob das klappen wird und möglicherweise wird es ein sehr kleiner Umfang sein. Ich frage mich weiter: Würde ich es bereuen, meine Zeit dafür gegeben zu haben, wenn das mit dem Lebensunterhalt absehbar nichts wird?
An dieser Stelle spüre ich eine große Klarheit, die ich versuche, mir bei all meinem Tun zu bewahren, sofern die ganz elementaren Grundbedürfnisse in meinem Umfeld gedeckt sind: Nein, ich würde dieser Tätigkeit jetzt auch nachgehen, wenn es niemals Geld dafür gäbe. Vermutlich werde ich meinen Zeiteinsatz irgendwann einschränken müssen, um an anderer Stelle etwas mehr für Lebensunterhalt zu sorgen. Aber das, was ich für teilsam in diesen Wochen tue, fühlt sich einfach richtig an und begeistert mich!
Es begeistert mich, etwas zu gründen, aufzubauen, mitzugestalten. Es erfüllt mich mit Leben, dass wir so viel Wertschätzung von anderen Menschen für diese Initiative erhalten. Und oft erfüllt es mich mit großer Zufriedenheit, wieder etwas über Verwaltungsstrukturen gelernt, ein Bankkonto eröffnet oder gemeinsam eine Beitragsrunde geplant zu haben. Spannenderweise kann ich auch aus dem Umgang mit Behörden eine Befriedigung ziehen. Es macht mir Freude, Schritt für Schritt besser zu verstehen, wie sie funktionieren. Und es fühlt sich lebendig an, in einem Team zu arbeiten, wo wir uns mit unseren Fähigkeiten gegenseitig ergänzen und alle Lust auf das haben, was sie tun. Das füllt mich so viel mehr aus, als die Dinge, die ich mir mit den paar Euros hätte kaufen können, die ich in der gleichen Zeit woanders hätte „verdienen“ können.
Danke fürs „Beitragen dürfen“!

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