Die Fürsorgerunde gestern ohne Protokoll – eine neue Struktur, die wir gerade ausprobieren – hat mir richtig gut getan. Da die letzten Fürsorge-Treffen eher spärlich besucht waren, haben manche Takes sich gefragt, woran das liegt und einen Vorschlag für ein neues Format gemacht. Wir trennen jetzt das Fürsorgetreffen (Austausch, Fürsorge füreinander, auch finanziell) vom Jour Fux (Strukturelles/Formales rund um Matsutake).
Gestern waren sieben von acht Takes dabei (freudvolles Willkommenheißen unserer neue Take Berenike inklusive), ich glaube, es waren schon lange nicht mehr so viele da, und es war total schön. Wir haben uns gegenseitig gefragt: „Wie geht es dir denn wirklich? Wenn du ruhig wirst, was wird dann zuerst laut in dir? Was bewegt dich gerade und was bewegst du gerade?“
Ende letzten Jahres hatte ich mich bei Matsutake freudvoll für verschiedene Dinge eingebracht – die Postkarten, die neuen Webseiten-Texte -, aber als die Fürsorge-Treffen regelmäßig von wenig Takes besucht wurden, es regelmäßig kurzfristige Absagen gab und ich das Gefühl hatte, viele Takes sind gerade irgendwie nicht anwesend/dabei, ist meine Motivation einfach gesunken. Das hat sich dann in den letzten Wochen gezeigt und ich habe mich zurückgezogen und war eher raus.
Das Fürsorge-Treffen gestern hat mich zum Glück wieder richtig reingeholt und sehr berührt. Das hat mich total gefreut – und nachdenklich gemacht: Was hält uns eigentlich zusammen, bei dem für uns wichtigen Commons-Muster „ohne Zwänge beitragen“? Wo folge ich selbst kapitalistischen Mustern, wenn ich mich zurückziehe, weil andere Takes meinem Gefühl gerade gerade weniger beizutragen haben? „Nö, seh‘ ich nicht ein, dann mach ich‘ halt auch nix!“ Und wo ist das aber auch ein ganz selbstverständliches Lebensmuster, dass ein Organismus, ein Wesen, ein Projekt nur dann lebendig und beweglich bleibt, wenn alle Teile, alle Individuen auf ihre Art dazu beitragen – mal mehr, mal weniger -, und darüber in Kontakt sind?
An allen Ecken ist bei uns allen das „weniger müssen müssen“ zu spüren, der Widerstand gegen den so tief reinsozialisierten Leistungs-, Produktivitäts- und Ich-muss-stets-beschäftigt-sein-Druck, der uns alle so vergiftet hat und dem wir uns nicht mehr beugen wollen: „Ich möchte keine Aufgaben übernehmen müssen“, „Am liebsten möchte ich nur in den Treffen Aufgaben übernehmen und sonst keine“, „Ich brauche die Sicherheit, keine Aufgaben abzubekommen – wenn ich dann nämlich nicht komme, muss ich auch nichts machen.“
Ich fühle das auch oft – den tiefen Schmerz darin. Und: Wenn niemand etwas übernimmt, gibt’s kein Matsutake mehr. Also: Was hält uns da zusammen? Was brauche ich, um mich mit euch verbunden zu fühlen? Beitragen ohne Zwänge – ja, aber da gibt’s auch noch die Notwendigkeiten.
Ich habe gemerkt: Für mich gehts gar nicht so sehr darum, wie viel die anderen Takes konkret „machen“, sondern ob sie – ausreichend oft – spüre. Und dabei spielt eine wichtige Rolle, dass ich merke, dass sie das wollen und dafür sorgen, dass ich sie spüren kann.
Der Anker, der uns da miteinander verbindet, ist für mich erst mal nicht, was „zu tun“, sondern bewusst miteinander unterwegs zu sein und sich in einem Maße zu zeigen, einzubringen und mitzuteilen, das den Faden zwischen uns nicht verlorengehen lässt – und das natürlich abgestimmt ist auf die eigenen Bedürfnissen und Kapazitäten. Für mich wäre wichtig, dass wir dieses Thema alle bewusst mit dabei hätten und dass ich wüsste, dass auch die anderen Takes bereit sind, hier ein gewisses Commitment einzugehen und zum Beispiel die Fürsorgetreffen nicht leichtfertig abzusagen.
Anwesend/beteiligt (im Sinne von „präsent“, nicht im Sinne von „produktiv“) zu sein und sich zu zeigen ist für mich absolut notwendig, um mich selbst, die anderen und unsere gemeinsame Ausrichtung immer wieder zu spüren und mich zu erinnern, warum ich bei Matsutake dabei bin. Ich würde gern mit anderen Takes darüber mehr in Austausch kommen, was uns zusammenhält und was „Fürsorge“ für uns bedeutet. Was ist für euch wichtig, um „dabei“ zu sein und zu bleiben? Was braucht ihr dafür von mir und den anderen Takes? Und was seid ihr bereit, dafür in die Mitte zu legen?
Bleibt neugierig,
Janne